EIN FLOCKENMEER FÜRHOLLYWOOD

Leonardo DiCaprio, Jennifer Lawrence, ein Grandhotel am Brienzersee und tonnenweise künstlicher Schnee: Für eine internationale Filmproduktion im Berner Oberland war nicht nur Hollywood gefragt. Auch regionale Unternehmen leisteten hinter den Kulissen Schwerstarbeit. Mittendrin: die Beo Saugbagger AG aus Interlaken.
Das Grandhotel Giessbach oberhalb des Brienzersees verwandelte sich im Frühjahr 2026 für mehrere Tage in eine Hollywood-Kulisse. Der historische Standort wurde nach einer weltweiten Drehortsuche als Hauptdrehort für den Film «What Happens at Night», basierend auf dem gleichnamigen Roman von Peter Cameron, ausgewählt. Bereits ein Jahr zuvor hatte Location Scout Ernst Michel von Aschifilms Worldwide im Auftrag der Filmproduzenten mögliche Drehorte in der Schweiz evaluiert. Über 16 Standorte wurden geprüft. Im Juni 2025 kam die US-Produktion mit Regisseur Martin Scorsese zur Besichtigung vorbei. Schlussendlich fiel die Wahl auf das traditionsreiche Grandhotel Giessbach.
Für die Dreharbeiten wurde die Anlage aufwendig umgestaltet. Möbel, Pflanzen, Dekorationen und künstlicher Schnee sorgten für die gewünschte Winterkulisse. Dabei spielte das Wetter den Verantwortlichen zunächst einen Streich. Ursprünglich waren die Aufnahmen für Januar geplant, realisiert wurden sie schliesslich Ende März und Anfang April. Um die Winterszenen dennoch sicherstellen zu können, setzte die Produktion auf biologisch abbaubaren Kunstschnee, wie er bei internationalen Filmproduktionen üblich ist. Während des Drehs kam jedoch nochmals rund 30 Zentimeter nasser Neuschnee hinzu. Für die Filmcrew ein Glücksfall, denn die verschneite Landschaft steigerte den filmischen Eindruck erheblich. Für die Verantwortlichen vor Ort bedeutete dies jedoch zusätzliche Arbeit. Nach Abschluss der Aufnahmen musste die gesamte Anlage innert kürzester Zeit wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden. Schliesslich sollte das Hotel bereits am nächsten Tag wieder Gäste empfangen können.
Genau hier kam die Beo Saugbagger AG ins Spiel. Die Aufgabe des Teams rund um Geschäftsführer Thomas Flück bestand darin, grosse Mengen künstlichen Schnees zu entfernen. Dabei handelte es sich um flockige Kartoffelzellulose auf natürlicher Basis, die echtem Pulverschnee täuschend ähnlich sieht.
«WIR HATTEN KEINERLEI ERFAHRUNGSWERTE MIT DIESEM MATERIAL»
Vom Flockenmeer zur zähen Masse
Niemand wusste, wie sich die Zellulose beim Einsaugen verhalten würde. Die Herausforderung bestand jedoch nicht nur im unbekannten Material. Auch die Platzverhältnisse rund um das Hotel verlangten Fingerspitzengefühl. Da der Saugbagger nicht direkt beim Einsatzort stehen konnte, mussten rund 80 Meter Rohrleitungen verlegt werden. Zunächst lief alles wie geplant. Der trockene Kunstschnee liess sich problemlos absaugen. Doch im Laufe des Tages stiegen die Temperaturen. Der Kunstschnee vermischte sich mit dem echten Schnee und Schmelzwasser. Aus den leichten Flocken wurde eine zähe, weisse Masse. Plötzlich waren Improvisation und schnelle Entscheidungen gefragt. Gemeinsam mit den Verantwortlichen der Filmproduktion entwickelte das Team Lösungen, um den engen Zeitplan dennoch einzuhalten. Schliesslich gelang es, die Flächen rechtzeitig zu räumen und den Drehort wieder für den Hotelbetrieb vorzubereiten. Für Michel war dies keineswegs selbstverständlich: «Mir wurde schon ein bisschen bange, als ich die enormen Schneemengen sah. Doch ich hatte Thomas bereits im Vorfeld kontaktiert und gehofft, dass dieses System funktionieren könnte. Die gesamte Filmcrew war beeindruckt, wie professionell und effizient das Team gearbeitet hat.»
Mehr als nur ein Spezialauftrag
Für Flück bleibt der Auftrag aus mehreren Gründen in Erinnerung: Zum einen wegen der besonderen Logistik einer internationalen Filmproduktion. Zum anderen wegen der Zusammenarbeit mit einer Filmcrew aus aller Welt. Die Kommunikation fand grösstenteils auf Englisch statt. Für den Unternehmer, der während früherer Auslandsaufenthalte und Arbeitseinsätze in Mittelamerika seine Sprachkenntnisse vertieft hatte, erwies sich dies als grosser Vorteil.
«ES WAR SCHÖN ZU ERLEBEN, DASS DIESE SPRACHKENNTNISSE AUCH IM BERUFSALLTAG EINEN ECHTEN MEHRWERT BRINGEN.»
Hollywood-Stars bekamen die Mitarbeitenden während ihrer Arbeit zwar kaum zu Gesicht. Dafür erlebten sie die Dimensionen einer Grossproduktion hautnah. Sicherheitsbereiche, Catering-Zelte, Technik, Fahrzeugflotten und Hunderte Beteiligte prägten das Bild auf dem Gelände. Besonders stolz macht Flück jedoch die Bedeutung des eigenen Beitrags. Ohne die rasche Entfernung des Kunstschnees hätte der eng getaktete Zeitplan kaum eingehalten werden können. Auch das Grandhotel bedankte sich nach Abschluss der Arbeiten ausdrücklich für den Einsatz. Der Auftrag zeigt eindrücklich, wie wichtig spezialisierte Dienstleistungen auch bei aussergewöhnlichen Projekten sind. Während sich die Aufmerksamkeit meist auf die Stars vor der Kamera richtet, sorgen im Hintergrund zahlreiche Fachleute dafür, dass eine Produktion überhaupt reibungslos funktioniert. Oder anders gesagt: Ohne Saugbagger hätte es in Giessbach vielleicht länger geschneit als geplant.



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